OpelInsi Vielen Dank für deine Antwort. So komplett verstanden habe ich es noch nicht, aber deine Erklärung zum Thema Stromfluss/Schaltzustände im klassischen Sinn und zugleich Datenkommunikation hilft mir etwas weiter, denn in Bezug auf die aktive Motorhaube wäre der Auslösemechanismus (anders als bisher von mir vermutet) sehr wohl in der Lage die Verriegelung der Motorhaube zu erkennen.
Ich überlege einfach mal laut, ob ich die richtigen Schlüsse ziehe:
Das Signal über den Schalterzustand der Haube, ob entriegelt oder eingerastet, bleibt unangetastet (doof ausgedrückt: + und - bleiben gleich). Lediglich der mit dem hier diskutierten Kabel dauerhaft hinzugefügte „Zusatzwiderstand“ in einer dritten Leitung verändert den Umgang der SSA mit dem originär erkannten Haubenzustand: Haube ist zwar zu, aber SSA wechselt dennoch nicht in den Start-Stopp-Modus, selbst wenn alle anderen Parameter es erlauben würden. Oder umgekehrt: Haube ist tatsächlich entriegelt, aber SSA stellt den Motor dennoch ab, wenn alle anderen Bedingungen (Motortemperatur, Ladezustand, etc.) passen.
Aber können wir deshalb wirklich ausschließen, dass diese Art der Kommunikation bzw. Signal-Interpretation nicht auch in anderen Systemen Anwendung findet?
Könnte das Steuergerät, welches entscheiden muss, ob die aktive Motorhaube ausgelöst wird, die gleichen drei Leitungen anzapfen und die Info „Servicestellung Motorhaube aktiv“ erhalten?
Wie würde sich dieses System verhalten, wenn es eine ordnungsgemäß verriegelte Motorhaube per Schalter erkennt, zugleich über den Zusatzwiderstand aber auch den Servicemodus kommuniziert bekommt? Beispiel Fahrzeug auf Rollenprüfstand: Die Geschwindigkeit könnte im Sollbereich zum Auslösen liegen, ein stärkerer Anprall durch einen ausreichend großen Gegenstand im Bereich der Frontschürze würde ebenfalls erkannt. Könnte der Servicemodus dazu führen, dass das Steuergerät die Auslösung der Haube gewollt unterdrückt? Wenn das der Fall wäre, könnte dies auf der Straße durch unser Kabel genauso der Fall sein.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit besteht nämlich keine Verknüpfung zum GPS um ein Rollen im Stehen auf einem Prüfstand von einem echten Fahren in Bewegung auf der Straße zu unterscheiden (denn dann wäre das System im Tunnel ja auch „blind“). Auch ein G-Sensor wäre wenig hilfreich, wenn bei gleichbleibender Geschwindigkeit nur geradeaus gefahren wird. Und an eine Verknüpfung zu Kamera- oder Fahrwerkssensoren, um eine „echte“ Fahrt zu detektieren, glaube ich auch nicht).
Wir bräuchten also eine vollständige, abschließende Aufstellung der konkreten Anwendungsfälle, in denen die „Servicestellung“ erkannt wird und eine Auflistung, wie sich welche Systeme bei Erkennung dieser Option adaptieren.
Servicestellung =
SSA a) bei geschlossener Motorhaube: SSA trotzdem nicht aktiv.
SSA b) bei offener Motorhaube: SSA möglicherweise trotzdem aktiv (GEFAHR ernsthafter Verletzungen!)
Alarmanlage?
Fußgängerschutzsystem?
Mein vorläufiges Fazit:
1. Es gibt eine vom Hersteller für die Motorhaube vorgesehene „Servicestellung“, die normalerweise über einen Tester im Werkstattumfeld vorübergehend aktiviert und in einem eng definierten Rahmen von geschulten Technikern genutzt wird.
2. Per China-Kabel simuliert man diesen Sonderzustand als gewöhnlicher Fahrzeugnutzer nun dauerhaft im öffentlichen Straßenbetrieb, ohne zu wissen, a) auf welche Systeme sich diese Manipulation auswirkt, b) für welche Anwendungsfälle er überhaupt gedacht ist und c) wie entsprechend das Verhalten der Systeme dadurch vom Standard abweicht.
Wir wissen bisher einzig und alleine ganz sicher, dass die SSA damit dauerhaft stillgelegt wird (was per se schon illegal ist). Welche Nebenwirkungen vorhanden sind, ist uns nicht bekannt.
Je länger ich mich damit befasse, desto weniger verstehe ich, wieso ein Ingenieur überhaupt auf die Idee gekommen sein soll, die Kombination „Haube zu, dennoch kein S/S aktivieren“ als Servicestellung der Motorhaube offiziell zu definieren? Denn dafür gibt es ja extra den Taster. Umgekehrt verstehe ich es ja noch: „Haube auf, dennoch SSA aktiv“, z.B. damit ein Mechatroniker Strommessungen im Motorraum an irgendwelchen elektrischen Anschlüssen durchführen kann, auch wenn SSA den Motor abgestellt hat. - Wobei dies extreme Vorsicht erfordert und ein hohes Risiko von Verletzungen mit sich bringt. Ist ausgeschlossen, dass dieser Zustand durch das Kabel ebenfalls im Alltagsbetrieb möglich wird?